Ein neuer Star ist am Himmel der amateurastronomischen Software aufgetaucht, dieser stellt KStars /EKOS in den Schatten: N.I.N.A.. EKOS ist eine leistungsfähige Software, doch einmal N.I.N.A. benutzt und ich möchte nicht mehr zurück zu KStars/EKOS! Die Kombination KStars/EKOS über INDI mit Astroberry war bei mir recht Absturzfreudig. N.I.N.A. hat auch einen Nachteil, es läuft nur auf Windows. Also muss ich auf Windows plus ASCOM umsteigen. Alle Treiber für meine Geräte sind vorhanden, der Kameratreiber ist von ZWO selber, es besteht also berechtige Hoffnung, einen stabilen Kameratreiber zu bekommen, was man von INDI nicht grade behaupten kann (die „Rückschaltproblematik“ von 16bit auf 8bit, wie ich schon mehrfach beschrieben habe).

N.I.N.A. steht für: Nighttime Imaging ‚N‘ Astronomy.

Ein ganz großen Fortschritt mit N.I.N.A. erlebt man bei der Planung der Objekte und der Aufnahmesequenzen für diese. Das ist durchdacht, logisch und funktioniert wie am Schnürchen. Hier hatte ich bei KStars/EKOS enorme Probleme mit falschen Dateiendungen, Dateien die sich nicht mehr laden lassen, Objekte die in dem einen Tool in EKOS gefunden wurde, wurden in der Beobachtungsliste in KStars aber nicht. In N.I.N.A. funktioniert alles so, wie man es erwartet. Es ist logisch, verständlich und unglaublich mächtig. Hier hat Stefan Berg einen tollen Job gemacht und die Entwicklung von diesem Tool ist rasant.

Ein Windows10 für den Raspberry Pi ist nur über Kunstgriffe möglich und nicht offiziell unterstützt, abgesehen von der IOT-Version. Diverse Software ist für die ARM-Architektur auch nicht verfügbar. Der Pi ist raus!

Den Steuerrechner für Kamera, Montierung, Filter Wheel usw. auf der Montierung selber zu haben, war ausgesprochen angenehm. Dies sollte mit dem neuen Rechner auch wieder möglich sein.

Von mehreren Seiten hatte ich von einem erfolgreichen Einsatz eines Intel NUC-Rechners für die Astrofotografie gehört bzw. gelesen, daher habe ich die LXD600 mal auf mögliche Montierungsorte für einen Rechner dieser Größe untersucht und wurde fündig. Direkt auf dem DEC-Gehäuse kann ein NUC montiert werden, durch eine einfache Blechlasche und eine Schraube (M6) kann eine stabile und schöne Befestigung erreicht werden, ohne irgendetwas an der LXD600 verändern zu müssen.

Ein Testaufbau mit einem Laptop, ASCOM, OnStep-Treiber, ASI-Treiber, N.I.N.A., ASTAP, ansvr (Astrometry.net) und Cartes du Ciel war erfolgreich, somit konnte ich beruhigt einen NUC bestellen und montieren.

Ich habe recht günstig einen NUC7CJYH bekommen können, dieser ist mit seinem Celeron J4005-Prozessor bestimmt an der unteren Leistungsgrenze angesiedelt, aber immer noch wesentlich leistungsfähiger als ein Raspberry Pi 4. Da es sich um ein Barebone-System handelte, waren noch 8GB RAM und 128GB SSD notwendig.

Das WLAN habe ich mit dem Accesspoint für die Beobachtung verbunden, für Updates oder Wartung wird er einfach in meinem Arbeitszimmer an das LAN angeschlossen und kann so alles mit hoher Geschwindigkeit herunter nuckeln, was für Windows10 leider notwendig ist.

Ich habe darauf verzichtet, den NUC unter Windows10 als Hotspot einzurichten, da das System „Headless“ läuft. Der Hotspot muss nach dem Starten des Systems immer wieder aktiviert werden. Es gibt zwar Kunstgriffe das automatisch beim Starten durchzuführen, aber ich versuche meine Installationen immer so nahe an der Grundeinstellung zu halten wie möglich, Installationen können doch recht kurzlebig sein.

Der NUC kann problemlos mit 12V betrieben werden, Intel spezifiziert die Versorgungsspannung mit 12V – 19V. Die geringe Leistungsaufnahme sollte man beim mobilen Beobachten mit einer 20AH Batterie nicht unterschätzen. Da kann man gut auf etwas Geschwindigkeit, die sowieso nicht benötigt wird, verzichten.

Die vier USB 3.0-Ports reichen für mein Setup vollkommen aus, und: Endlich hat das Gerät einen ordentlichen Taster zum herunterfahren des Gerätes am Ende der Beobachtungssession. Das war mit dem Pi immer umständlich.

Ich verbinde mich mit meinem Laptop während einer Beobachtungs-Session per Remotedesktop mit dem NUC, N.I.N.A, Cartes Du Ciel und ASTP laufen auf dem NUC. Das hat den Vorteil, dass bei einem Verbindugsabbruch nur der „Bildschirm“ weg ist, aktuell laufende Belichtungen und Bildserien laufen einfach weiter. Neu verbinden, das ist alles! Diese Eigenschaft kann man auch nutzen und das Laptop bei langen Belichtungszeiten einfach zuklappen, die Nacht ist dann dunkler, der Sternenhimmel leuchtet schöner, kein Bildschirm blendet und der Akku vom Laptop reicht auch wesentlich länger.

Der NUC sitzt auf einer dünnen Holzplatte, diese stützt sich auf zwei 3D-gedruckte Leisten ab, welche genau den Radius des DEC-Gehäuses haben. Der Verschluss für das Polarfernrohr ist abgeschraubt, ein 3D-gedruckter Stopfen sitzt auf dem Loch und führt die M6-Schraube mittig in das Gehäuse. In dem Gehäuse ist einfach ein Alublech gegengeschraubt (mit einer Flügelschraube), welches die Platte sicher festhält.

So schön und leistungsfähig N.I.N.A. und das Windows10-Setup auch sein mögen, man erkauft sich das mit allen Macken, die Windows10 in einer Umgebung die auch nur etwas von der 0815-Büroumgebung abweicht, mit sich bringt. Aus unerfindlichen Gründen entscheidet sich Windows10, sich nicht mehr automatisch nach dem starten an das WLAN für die Beobachtung anzumelden! Dann sind nach einem Update alle COM-Ports verschwunden. Nach einigen Restarts (Wichtig: mit Internetverbindung!) waren sie wieder da, als wenn nichts gewesen wäre. Das sind alles Macken, die ich von Linux nicht kenne. Linux verhält sich deterministisch. Windows10 wie eine Operndiva. Wichtig ist, dass man WLAN-Hygiene betreibt, es sollten keine weiteren WLAN-Zugangsdaten auf dem NUC gespeichert sein als die des Beobachtungsnetzwerkes! Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der NUC nach dem Starten auch über Remotedesktop erreichbar ist!

Jetzt, nach vielen Tests und auch nächtlichen Beobachtungen läuft diese Kombination ausgesprochen Stabil und macht über Stunden keinerlei Probleme, die Belichtungen laufen durch, alle Geräte funktionieren. Die Frames werden sofort nach der Belichtung in eine Nextcloud-Installation übertragen und sind so auf anderen Rechnern sofort verfügbar (Spektralanalyse, Bildbearbeitung, was auch immer).

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