Jedes Getriebe hat Spiel (mal abgesehen von Harmonic-Drives und Konsorten). Somit auch eine Montierung. Und auch die LXD600. Ich habe lange im Dunstkreis von OnStep und ASCOM nach Wegen gesucht, wie das Spiel, oder eben der Backslash kompensiert werden kann. OnStep bietet sowohl für die RA als auch für die DEC-Achse die Möglichkeit an, den Backslash in Bogensekunden einzugeben. Aber wie groß ist er denn nun? Wie kann man diesen messen? Der Backslash macht sich beim Guiden über die DEC-Achse bemerkbar und führt zu einem sehr unruhigen Guidingdiagramm.

Da bei unseren Gerätschaften sowohl die Brennweite der Optik als auch die Pixelgröße der Kamera bekannt ist, ist ebenso bekannt welche Ausdehnung ein Pixel in Bogensekunden hat. Somit sollte es doch möglich sein, den Backslash mit einer Kamera zu messen. Möglicherweise habe ich falsch gesucht oder etwas nicht verstanden, aber ich habe kein Tool gefunden, mit dem ich das messen kann. Also habe ich an einem trüben Samstagnachmittag eine einfache Anwendung geschrieben mit der der Backslash gemessen werden kann (zumindest habe ich es mit meiner Ausrüstung sehr genau hinbekommen).

Die Anwendung verbindet sich über ASCOM mit der Kamera und der Montierung. Der OnStep-ASCOM-Treiber stellt die Brennweite und die Öffnung zur Verfügung (ich hoffe, andere Treiber machen das auch), der Kameratreiber die Pixelgröße. Mit der Beziehung (Pixelgröße [µm] / Brennweite [mm]) * 206.265) wird aus diesen Daten der Wert arcsec/pixel errechnet.

Wird das Teleskop auf eine Landmarke (z.B. ein Kirchturm in der Ferne) gerichtet und fokussiert, kann mit der Applikation ein Bild von dem Turm aufgenommen werden. Ein Marker markiert die Referenzstelle auf dem Bild (z.B. die Kugel im Turmspitzenkreuz o.ä.). Nun wird das Teleskop von der Anwendung sowohl in der RA als auch in der DEC-Achse in eine Richtung bewegt und wieder auf die Ursprungswerte zurückgefahren. Ein weiteres Bild von der Landmarke und der Referenzmarker verraten dann, wie groß der Backslash in X und Y-Richtung auf dem Bild in Bogensekunden ist.

Anwendung zur Messung des Backslashs in einer Montierung (hier die LXD600 mit OnStep). Das Teleskop ist auf einen Zweig in ca. 100m Entfernung gerichtet. Die Optik ist ein C9.25 mit f/6.3 Reducer. Die Kamera ist eine ASI1600MM Pro. Ein Zweig ist wirklich nicht ideal für die Backslashmessung. Es war aber ein völlig windstiller Tag. Diese Kombination bildet 0,52“ auf ein Pixel ab.

Dieser Wert wird dann in die Montierung eingetragen (in OnStep möglich, hoffentlich auch in anderen Montierungstreibern). Eine erneute Überprüfung zentrierte dann die Landmarke genau wieder auf dem ersten Marker. Der Backslash war kompensiert.

Das hört sich doch einfach an, oder? Ist es eigentlich auch, nur ist das Bewegen der Montierung nicht ganz so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe. Da es sich um eine Landmarke handelt, ist natürlich das Tracking ausgeschaltet. Und nun läuft der RA-Wert! Man kann also nicht die RA-Achse vorbewegen und wieder zurück auf die Ursprungsposition! Bis dahin ist die Position weitergewandert. Eine sehr präzise Zeitmessung und genau reproduzierbare Abläufe in der Montierung wären notwendig, um die Ursprungsposition wieder zu finden.

Gelb ist die Referenzposition vor der Bewegung der Achsen, Grün die nach der Bewegung. Der Backslash in X-Achse (bei meiner Kameraorientierung die DEC-Achse) ist 71“, für die Y-Achse (RA) 36“. Dies ist eine Testmessung, die richtige Messung mit meiner LXD600 hat für die DEC-Achse ein Backslash von 74“ und für die RA-Achse 19“ ergeben. Diese Werte in der OnStep-Steuerung führen zur genauen Repositionierung der Landmarke!

Meine Lösung für dieses Problem war einfach, die Montierung sowohl in Alt als auch in Az zu bewegen. Da der Backslash hoffentlich nur wenige Bogensekunden bzw. Bogenminuten beträgt, sollten beide Achsen weit genug bewegt worden sein. Da sich Alt und Az nicht ändern, wenn nicht getrackt wird, kann man einfach wieder zur Ursprungsposition zurückkehren. Dieser Punkt ist so noch nicht optimal gelöst, da ich aber nicht täglich den Backslash einstelle, ist es für mich verschmerzbar.

Die Anwendung ist in C# .NET geschrieben. Es handelt sich um eine einfache Forms-Anwendung, einfach mit Code-Behinde. Erstellt habe ich sie mit VisualStudio 2019 Community. Der Quelltext und ein MSI-Paket befindet sich auf Github:

https://github.com/stroblhofwarte/TelescopeMountBackslashMeasurement

In der Applikation werden Codestücke von dem PictureBox-Projekt von John Willemse <https://www.codeproject.com/Articles/21097/PictureBox-Zoom> verwendet. Aus diesem Grund wird der Quelltext auch unter der CPOL zur Verfügung gestellt.

Das MSI ist zu finden unter:

https://github.com/stroblhofwarte/TelescopeMountBackslashMeasurement/tree/main/TelescopeMountBackslashMeasurementSetup/Release

Die Anwendung habe ich nur mit meiner Ausrüstung getestet, OnStep-Montierung und eine monochrome ZWO ASI-Kamera. Die Anwendung wird vermutlich ohne Änderungen nicht mit einer Color-Kamera arbeiten.

Die Messmethode scheint aber einwandfrei zu funktionieren und führt zu einer wesentlich genauer arbeitenden Montierung.

Nicht vergessen, die Backslash-Werte in dem Montierungstreiber auf 0 setzen, bevor gemessen wird!

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