Kugelige Gesellen im Herkules

In Richtung des Sternbildes „Herkules“ befinden sich drei wunderschöne Kugelsternhaufen der Milchstrasse. Neben dem Prominenten „Herkuleshaufen“ M13 ist da noch M92 und NGC 6229. Alle drei Haufen befinden sich Außerhalb unserer Heimatgalaxie, im sog. Halo der Milchstrasse. Während sich M13 und M92 auf unserer Seite der Galaxie aufhalten, scheint NGC 6229 auf der anderen Seite zu liegen, er ist viermal weiter Entfernt als die beiden anderen Gesellen, hat aber eine ähnliche Ausdehnung und Leuchtkraft wie M13.

Auch wenn M13 schon so oft abgelichtet wurde ist es immer wieder eine Freude, wenn dieser wunderschöne Kugelsternhaufen im Teleskop auftaucht und mit einer Kamera in viele Einzelsterne aufgelöst werden kann. Dieser Kugelsternhaufen ist 25000 Lichtjahre von uns entfernt und erstreckt sich bei einer Winkelausdehnung von 20′ über 145 Lj. Mit einem Alter von 14 – 24 Millionen Jahren ist er für einen Kugelsternhaufen relativ jung. M13 ist in einer dunklen Nacht mit bloßem Auge als nebliger Fleck wahrnehmbar da er eine scheinbare Helligkeit von 5,8mag hat. Erstmals beschrieben wurde er von Edmond Halley 1714, nach dem der berühmte Halleysche Komet benannt ist.
Die Position dieses wunderschönen Kugelsternhaufens ist RA 16h41m 41,6s, DEC +36° 27′ 41″.
Das Bild wurde mit meinem C9.25, f/6.3 mit einer ASI1600MM Pro am 22.04.2021 aufgenommen. Montiert war das Teleskop auf der AZ-EQ6. Es ist aus 3x15x10 sec. zu einem RGB zusammengesetzt. Nachgeführt wurde das Teleskop mit einem 300mm Teleobjektiv und einer ASI120MM-S. Eine andere Bezeichnung für M13 ist NGC 6205.

[M13 fullsize]

Nicht ganz so Berühmt wie sein heller Nachbar ist M92. Dieser Kugelsternhaufen ist etwas kleiner als M13, mit 27.000 Lichtjahren auch etwas weiter entfernt. Bei einer sichtbaren Winkelausdehnung von 14′ hat er einen Durchmesser von 109 Lj. Mit einer Helligkeit von 6,3mag ist er in sehr dunklen Nächten ganz schwach mit bloßem Auge sichtbar. Aber dieser Kugelsternhaufen ist enorm alt. Mit geschätzten 13 Milliarden Jahren ist er nach gängiger Theorie fast so alt wie das gesamte Universum und somit ein Relikt aus fernster Vergangenheit. Dieses Alter kann anhand des Lichtspektrum bestimmt werden, da in diesem kaum Absorptionslinien von Elementen schwerer als Helium (Metallizität) zu finden sind. Nach der gängigen Theorie haben nur Sterne der ersten oder zweiten Generation eine geringe Metallizität, alle jüngeren Sterne haben schon schwerere Elemente aus vorhergegangenen Supernovae in sich.
M92 ist auf RA 17h 17m 07,3s, DEC +43° 08′ 11″ zu finden.
Das Bild wurde am 02.05.2021 mit meinem C9.25 f/10.0 und der ASI1600MM Pro aufgenommen. Es ist ein RGB-Bild mit jeweils 3 Bildern à 120 sec. pro Kanal. Nachgeführt wurde wieder mit dem 300mm Teleobjektiv und der ASI120MM-S.

Ein sehr schöner Beitrag zu diesem Kugelsternhaufen findet sich auf der Seite von https://www.klostersternwarte.de/aktuelles/der-kugelsternhaufen-m92-883be91.

[M92 fullsize]

Der scheinbar kleinste Kugelsternhauf im Sternbild „Herkules“ ist NGC 6229 welcher mit 9,4mag mit dem bloßen Auge nicht mehr sichtbar ist, für diesen Sternhaufen ist ein größeres Teleskop notwendig.
Mit 100.000 Lichtjahren ist er auch viermal weiter entfernt als M13. Über diesen Kugelsternhaufen ist nicht mehr so viel bekannt wie von M13 und M92. Eine Ausdehnung in Lichtjahren von diesem Haufen konnte ich nicht finden, jedoch die Winkelausdehnung am Himmel mit 4.5′ (0.075°). Aus der Entfernung und der Winkelausdehnung kann jedoch nach der einfachen trigonometrischen Beziehung
tan(0.075°) * 100.000 Lj = 140.59 Lj
die Ausdehnung berechnet werden. Mit 140.59 Lj steht er M13 kaum nach.
Die Position ist RA 16h 46m 58,8s, DEC +47° 31′ 40″.
Das Bild wurde wieder mit meinem C9.25 f/10.0 und der ASI1600MM Pro am 27.04.2021 aufgenommen. Es ist ein RGB mit jeweils 15×20 sec. Dithering war eingeschaltet, daher hat das bearbeitete Bild eine wesentlich höhere Auflösung als die Kamera. Nachgeführt mit 300mm und ASI120MM-S.

[NGC 6229 fullsize]

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