Seit jetzt einigen Monaten Guide ich die Aufnahmen mit einem sog. Off-Axis-Guider. Dieser „stanzt“ aus dem Lichtstrom des Teleskops einen kleinen Teil aus (der den Chip der Hauptkamera sowieso nicht erreicht), der dann umgelenkt wird und auf dem Chip der Guiding-Kamera landet und dort, wenn alles richtig eingestellt ist, die Sterne in diesem „ausgestanzten“ Lichtstrom abbildet. Auf eines dieser Abbilder kann dann nachgeführt werden. Der Vorteil dieses Verfahrens wird sofort ersichtlich, es gibt keine Abweichungen der Guidingkamera von dem Hauptinstrument (Halterung des Guiders verbiegt sich anders als das Hauptinstrument unter der Schwerkraft, durch Wind, durch Temperaturänderungen usw.). Dafür stehen ausserhalb der Milchstrasse doch recht wenige helle Sterne für einen bestimmten Bildausschnit zum Guiden zur Verfügung.
Ein Off-Axis-Guider muss sehr sorgfältig eingerichtet werden. Der Abstand des Chips der Hauptkamera von der vorderen Kannte des Umlankprismas des OAG’s und der Lichtweg durch das Prisma bis zum Chip der Guidingkamera muss exakt gleich sein, da sonst die Gudingkamera und die Hauptkamera nicht gleichzeitig scharf gestellt werden können. Am besten man fokussiert am Tage ein weiter entfernten Gegenstand (ich habe die Flechten auf dem First eines Nachbargebäudes benutzt) mit der Hauptkamera und stellt dann die Guidingkamera durch herumschieben in dem Halter ebenfalls scharf. Da das ein enormes Gefummel ist, habe ich meine Gudingkamera in einen Helikalfokuser gesetzt, damit ist sie einfach und perfekt scharf zu stellen.

Die Reihenfolge hinter meinem C9.25 stellt sich wie folgt dar:
SC-Gewindeüberwurf, der Rotator, der OAG, das Filterrad und dann die Hauptkamera. Logischerweise ist das Filterrad hinter dem OAG, der Leitstern sollte nicht auch noch durch einen Filter verdunkelt werden. Auf dem Bildern ist deutlich ersichtlich, wie eng es hinter dem C9.25 zugeht. Der Celestron-Fokusiermotor nimmt einiges an Platz weg, der Rotator musste so schlank wie möglich werden!

Als Gudingkamera verwende ich eine einfache ASI120mm mini.

Der Arbeitsablauf des Nächtens ist recht einfach vom Steuerrechner aus auszuführen. PHD2 ist mit der ASI120mm mini verbunden, die Anwendung „OAG Seeker“ (siehe: Der Dreh am Himmel – ein Rotator) mit dem Rotator. Über N.I.N.A. wird das abzulichtende Objekt angefahren und über den Plate Solver zentriert. Dann hole ich PHD2 in den Vordergrund, ebenfalls den „OAG Seeker“ und rotiere durch die kleinen Pfeiltasten so lange, bis ein heller Leitstern auftaucht. Bis jetzt habe ich immer einen geeigneten Leitstern durch entsprechendes Rotieren finden können!

Dieses Verfahren kommt allerdings an seine Grenzen, wenn ein Mosaik aufgenommen werden soll. In diesem Fall kann nur für das erste Bild ein Leitstern gesucht werden, für alle anderen muss dann die Orientierung beibehalten werden was sicher zu einem Leitsternverlust führen wird. Für diesen Fall sitzt bei mir unter dem C9.25 noch immer die ASI120MM mit dem 300mm Teleobjektiv und kann für solche Fälle oder falls ich wirklich mal keinen Leitstern finden sollte den OAG sofort ablösen.

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