Meine Geschichte mit den LXD600/700 bzw. LXD650/LXD750 Teleskopen von Meade begann in den frühen 1990er Jahren, als mir ein Katalog der Firma Meade in die Hände fiel. Dort waren die für meine damaligen Verhältnisse unerschwinglichen tollen Geräte wie das berühmte LX200 und die LXD600 bzw. LXD700 4“ bis 7“-Refraktoren abgebildet. Diese Geräte blieben ein Traum. Doch irgendwann in den frühen 2000er Jahren habe ich eine alte LXD600-Montierung ohne Teleskop in einer Versteigerung gefunden und konnte nicht widerstehen, da der Preis sehr gering war und ich mich wieder an den schönen Meade-Katalog erinnerte, der mit so wunderschönen Bildern geschmückt war.

Die Montierung war in einem etwas erbärmlichen Zustand, doch trug sie meinen 6“-Newton-Spiegel ohne Probleme und ich war einige Zeit glücklich. Doch irgendwie war eine handgesteuerte LXD600-Montierung doch etwas „Low-End“, da musste doch mehr möglich sein. Zu der damaligen Zeit hatte ich auch ein kleines ETX-70AT-Teleskop, es war spannend, wie dieses kleine Ding nach dem Alignment automatisch die Himmelsobjekte anfuhr, doch 70mm zeigte nun wirklich keinen beeindruckenden Anblicke von Deep-Sky-Objekten, schon damals meine Favoriten. Irgendwie müssen sich doch diese Dinge kombinieren lassen, dachte ich mir. Eine LXD600-Montierung mit den Funktionen der ETX-Montierung würde doch ein prächtiges Gerät ergeben das dann auch größere Optiken zielgenau über den Himmel führen kann!

Einige Jahre funktionierte der Umbau mit der Elektronik vom ETX-70AT recht gut und trug den 6“ Newton-Reflektor von Meade. Dann verschwand die Montierung auf den Dachboden, da ich keine Zeit mehr für die Astronomie gefunden hatte.

Nach 12 Jahren Dornröschenschlaf auf dem Dachboden war diese Montierung die Keimzelle für erneutes Aufleben dieses Hobby’s bei mir, ich habe die Montierung zerlegt, gereinigt und den eher stümperhaften Einbau der ETX-Elektronik erneuert und mit einer schönen Frontplatte versehen, wie in dem Beitrag Montierung LXD600 wiederbeleben beschrieben. Dieser Umbau wurde noch von dem Autostar #497 gesteuert.

Auch nach 12 Jahren faszinierte mich das Erscheinungsbild dieser Montierung, sie wirkt stabil, etwas bullig und nicht so Gefällig-Glatt wie spätere Montierungen. Und ich verbinde sie noch immer mit den Bildern in dem alten Meade-Katalog.

LXD600
Die LXD600 ragt in den Abendhimmel und wartet auf das Telekop. Hier noch mit der Elektronik vom ETX 70AT.

Die Orginal-LXD600/700/650/750-Montierungen wurden, auch wenn ohne Computersteuerung (CDS) ausgeliefert, mit Servomotoren an jeder Achse ausgerüstet. Es sind sehr kleine, billige Motoren, wie man sie aus Spielzeug kennt. Ein einfacher dreipoliger Anker, einfacher Kollektor (immerhin, eine LXD650 mit 5“-Refraktor kostet doch über 13.000,- DM, eine LXD650 mit Computersteuerung ohne Teleskop doch noch über 8000,- DM). Diese Motoren sind an eine Getriebebox angeflanscht, welche ebenfalls sehr einfach gebaut sind, Kunststoffzahnräder, Stahlachsen, einfache Sinterbronze-Lagerbuchsen. Dieser Antrieb ist aber im Gegensatz zu vielen Schrittmotor-Antrieben ein echter Servoantrieb, auf der Motorachse sitzt eine schwarze Schlitzmaske, welche durch ein statisches Gegenstück, zwei IR-LED’s und zwei Fototransistoren aus der Drehung ein phasenverschobenes Sinus-Signal erzeugt welches durch eine einfach Elektronik mit Operationsverstärkern ein Rechtecksignal erzeugt, welches leicht von einer Steuerelektronik ausgewertet werden kann.

Die Schaltung dieser kleinen Platine ist denkbar einfach. Doch Vorsicht! Einmal den Gehäusedeckel der Getriebebox geöffnet, fällt sofort die statische Maske heraus und muss nach dem Zusammenbau mühsam wieder justiert werden damit ein sauberes, phasenverschobenes Signal entsteht! Das habe ich nur mit einem Zweikanal-Oszilloskop an den Ausgängen OUT1 und OUT2 der Elektronik hinbekommen!

Bei meiner Montierung habe ich festgestellt, das ein Fototransistor nach über 20 Jahren tatsächlich defekt war, es war auf dem Oszilloskop nur ein Rechtecksignal sichtbar! Die IR-Dioden können leicht mit der Kamera eines Handy’s überprüft werden, die leuchten leicht lila auf, da die meisten Kameras IR-Empfindlich sind. Dieser Fototransistor kann leicht durch einen aktuellen Typ mit 3mm Gehäuse ersetzt werden. Mein Ersatztransistor kam aus einer zerlegten Reflexlichtschranke!

Diese Getriebeboxen sind sehr laut im Betrieb! Sie hören sich an, als wenn demnächst ein Zahnrad herausspringt. Aber sie laufen erstaunlich präzise am Himmel!

Diese Motoren mit der dazugehörigen Elektronik können direkt von der ETX-70-Platine angesteuert werden! Das ETX-70 verwendet genau die gleiche Technik! Billige Motoren, phasenverschobenes Servosignal! Nur viel, viel weniger Schlitze, also eine wesentlich geringere Auflösung des Servosignals pro Umdrehung des Motors!

Der nächste Umbau der LXD600 stand an, weil die Autostar-Steuerung zu sehr in die Jahre gekommen war und Ersatzteile immer schwieriger zu bekommen waren. Hier entschied ich mich für eine OnStep-Steuerung mit Schrittmotoren, wie im Beitrag LXD600 mit Steppern und OnStep ausrüsten beschrieben.

Der Pferdekopfnebel und der Flammennebel im Orion mit dem ETX-70 auf der LXD600 (mit OnStep-Steuerung) aufgenommen. Man sieht die schönen blauen Farbsäume an den Sternen. Das ETX-70 ist halt eine einfache Frauenhofer Achomat.

Die Plejaden, M45, ebenfalls mit dem ETX-70-Tubus auf der LXD600 mit OnStep-Steuerung. Farbaufnahme mit der ASI1600 und einem Filterrad.

Was macht die LXD600 2022 so?

Die LXD600-Montierung hat es nicht in das Observatorium geschafft, die Tragfähigkeit ist zu gering. Sie ist aber weiter als transportable Montierung mit einem kleinen Fraunhofer von Bresser im mobilen Einsatz für schöne Abende mit Freunden unter dem Sternenzelt.

Für vergnügliche Stunden verbinde ich die LXD600 mit einem Android-Smartphone welches bequem auf dem 102/600mm-Fraunhofer sitzt. Um die Montierung unter dem Sternenzelt einzurichten benutze ich die OnStep-App (Unpark->Uhrzeit und Datum setzen->Align), dann wechsele ich auf SkySafari 6 Pro. Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so, aber sowohl einen Alignment-Stern als auch ein zu beobachtendes Objekt in das Zentrum des Okulars zu schubsen um es dann stolze umher stehenden zu zeigen geht mit einem Touch-Screen wirklich nicht gut. Dauernder Blickwechsel vom Okular auf den (immer zu hellen) Smartphone-Sceen nervt ungemein. Also habe ich meinen zwischenzeitlich nicht mehr genutzten Target(Astronomy) wieder herausgezogen um das Teleskop bequem mit dem Auge am Okular justieren zu können. Doch geht nicht! OnStep über WiFi bietet zwei Ports an: 9999 und 9998. 9999 kann für die Android-App benutzt werden. Fein! 9998 wird von SkySafari benötigt. Target(Astronomy) funktioniert aber nur auf Port 9998, welcher eine permanente Verbindung zur Verfügung stellt. Bleibt Target(Astronomy) nun außen vor? Nein! Die Lösung ist, das Wifi.ino von OnStep zu modifizieren und einen weiteren Port (9997) des gleichen Typs wie 9998 einzubauen. Da die Arduino-Module von OnStep ausgesprochen gut programmiert sind, ist das auch in ca. 2 Minuten erledigt. Jetzt sieht mein kleines Netzwerk um die LXD600 wie folgt aus:

  • OnStep Android App auf Port 9999
  • SkySafari auf Port 9998
  • Target(Astronomy) auf Port 9997

..und alles funktioniert einwandfrei! Eine kleine Klippe musste ich noch umschiffen: OnStep Wifi kommt mit dem Defaultpasswort „password“ daher, dieses hat genau acht Zeichen. ESP8266-Chips (wie im Wemos D1 mini) verbinden sich aber nicht (mehr?) mit Netzwerken mit einem Schlüssel <= 8 Zeichen! Also habe ich das Defaultpasswort in eines mit mehr als acht Zeichen umgewandelt und mit dem neuen Sketch mit Port 9997 mitübertragen!

Da das bei Bresser mit der Messier-Serie mitgelieferte Finder-Scope eine Zumutung ist thront jetzt an der Stelle, wo die Zumutung sitzen sollte, mein altes Telrad aus vergangenen Tagen! Das Telrad ist eine der schönsten Arten, Sterne aufzufinden!

Meade ETX-70, der sehr kleine Bruder des berühmten ETX-90

Bei dem kleine ETX-70-Teleskop mit der schönen dunkelblauen Färbung und dem dunkel lila reflektierenden Objektiv erinnere ich mich immer wieder gerne an die Nächte vor mehr als 20 Jahren mit dem kleinen Ding, wo ich begeistert mit der Steuerung Objekte angefahren habe, welche dann im Okular nur als nebeliges Etwas erschienen, aber ich habe sie gefunden!

Der ETX-70-Tubus ist eigenartig gebaut, er besteht komplett aus schönem blauen Kunststoff mit schwarzen Kunststoffeinsätzen welche über einen kleinen, sehr fummeligen Knopf am hinteren Ende die gesamte vordere Hülse mit der 70mm-Linse zum Scharfstellen verschieben.

Hinten ist ein klappbarer Spiegel eingebaut, welcher das Licht entweder direkt nach hinten zu einem speziellen ETX-Gewinde (Meade läßt grüßen, warum Standards benutzen! Man setzt seine eigenen!) leitet, an dem eine Kamera angeflanscht werden kann oder aber um 90° abgelenkt nach oben in ein Okular. Dieses Teleköpchen steht ja meistens einfach auf einem Tisch, da kann man nur von oben hereinschauen!

Ich habe mir später an das Teleskop hinten einen 1.25“-Adapter angebaut, da Adapter mit ETX-Gewinde ungemein teuer und schwer zu bekommen waren. An diesem Adapter kann die ASI1600 plus dem ZWO-Filterrad angebaut werden. Folgende Bilder sind mit dieser Kombination aufgefangen worden:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert