Kometen mit einem Teleskop und einer Kamera aufzunehmen ist etwas Trickreich. Kometen bewegen sich mit einer anderen Geschwindigkeit als Sterne. Schwache Kometen benötigen aber weiterhin Minuten bis zu einer Stunde oder mehr an Belichtungszeit um gut abgebildet zu werden. In dieser Zeit bewegt sich der Komet aber relativ zu den Hintergrundsternen. Guiding auf einen dieser Sterne verursacht eine „Kometenspur“ anstatt den Kometen abzubilden.

Die von mir benutzten Tools „N.I.N.A.“ und „PHD2“ haben in den neusten Versionen (Juni 2022) alle Voraussetzungen, einen Kometen erfolgreich abzulichten. N.I.N.A. bietet ein Plugin, „Orbitals“, welches die Bahnelemente von Kometen herunterladen (Internetverbindung erforderlich) und dann anhand dieser Elemente die aktuelle Position errechnen kann. Das Framing-Tab kann auf diese Position eingestellt werden, das Teleskop auf die Position geschwenkt und exakt positioniert werden. Wird dann ein Bild mit 60 sec. oder ähnlich aufgenommen, ist der neblige Fleck (bei Kometen die noch weit von der Sonne entfernt sind, so ab der Saturn oder Jupiter-Bahn) schon auf dem Bild sichtbar.

Das Orbitals-Plugin kann anhand der Bahnelemente ebenfalls errechnen, wie weit der Komet pro Stunde in Bogensekunden weiterwandert. Und diese Daten können an PHD2 weitergegeben werden welches dann diese Daten verwendet, um den gewählten Guiding-Stern genau um diese Werte pro Stund driften zu lassen. Genial! Der Komet bleibt in der Bildmitte und nicht der Guiding-Stern! Das geht natürlich nur solange, wie der gewählte Stern im Bereich der Guiding-Kamera bleibt!

Neben dem driften lassen in PHD2 kann alternativ auch die Montierung auf eine andere Tracking-Geschwindigkeit umprogrammiert werden (bei EQMOD ist das möglich), dann ist man abhängig von der Präzision der Montierung. Man sollte sich aber für eine Methode entscheiden! Beide zusammen arbeiten gegeneinander und das Bild wird nur Streifen enthalten, sowohl Sterne als auch der Komet sind langgezogen!

Komet C/2017 K2 in „Orbitals“ in N.I.N.A.

Mit N.I.N.A. können dann Bildserien aufgenommen werden (z.B. 100×30 sec.) die dann später in PixInsight über „CometAlignment“ auf den Kern des Kometen ausgerichtet werden können (ImageProcessing natürlich vorher). Werden diese Bilder dann mit „Winsorized Sigma Clipping“ integriert, verschwinden die Sterne und übrig bleibt der Komet. Die Sterne können dann später über „StarNet“ aus einem Einzelbild herausgelöst werden und dem Kometenbild wieder hinzugefügt werden.

Will man aber die für Kometenbilder typischen „Sternstriche“ auf dem Bild, muss ohne „Rejection Algorithm“ integriert werden.

Framing aus dem „Orbitals“-Plugin heraus. Die errechnete
Position des Kometen ist genau in der Mitte des Frames!
Nach dem CometAlignment der Bilder in PixInsight wird deutlich,
wie stark sich der Komet innerhalb von ca. einer Stunde bewegt hat.
Komet C/2017 K2 (PANSTARRS), Einzelbild mit 30 sec., ohne Filter.
Der Komet hatte am 13.6.2022 um 20:59:08.170 UTC die Position
RA 18:00:32.195, DEC +07:02:02.62

Kometen und ihre Bahnen

Eine Kometenbahn kann durch sechs Argumente beschrieben werden, die es erlauben, die Position des Kometen zu jedem Zeitpunkt angeben zu können. Sehen kann man den Kometen allerdings nur, wenn er „aktiv“ ist und anfängt, ein Koma um seinen Kern zu bilden.

Es gibt im Grunde zwei Typen von Kometen, die periodischen, die innerhalb von einigen Jahren bis Jahrzehnten immer wieder erscheinen (oder auch mal ausbleiben) und die Kometen, die das innere des Sonnensystems einmal besuchen und dann wieder auf einer parabolischen Bahn für immer verschwinden. Für die periodischen Kometen nimmt man heutzutage eine sehr langgestreckte Ellipse an, Kometen auf parabolischen Bahnen können innerhalb des Sonnensystems durch Störungen auf eine elliptische Bahn wechseln und werden dann zu periodischen Kometen.

Die Argumente der Kometenbahn beziehen sich auf ein gedachtes System aus zwei Ebenen, eine Ebene ist die Ekliptik, also die Ebene, auf der die Erdbahn um die Sonne verläuft (hier grün) und die Ebene auf der die Kometenbahn verläuft (hier gelb). Als aufsteigender Knoten wird der gedachte Punkt bezeichnet, an dem die Kometenbahn bei Annäherung an die Sonne die Ebene der Ekliptik durchstößt.

Als Perihel wird die Position des Kometen bezeichnet, an dem er den geringsten Abstand zur Sonne hat.

SymbolBedeutung
iBahnneigung, der Winkel zwischen der Kometenbahnebene und der Ekliptik
ΩKnoten, dass ist der Winkel zwischen der gedachten Linie zwischen dem aufsteigenden Knoten und der Sonne und der gedachten Linie von der Sonne zu dem Frühlingspunkt.
ωArgument des Perihels, der Winkel zwischen der gedachten Linie zwischen Sonne und aufsteigendem Knoten und der gedachten Linie zwischen der Sonne und dem Punkt auf der Kometenbahn, an dem sich der Komet den geringsten Abstand zur Sonne hat
qPeriheldistanz, das ist der minimale Abstand des Kometen zur Sonne auf seiner Bahn. Diese Distanz wird in AE (astronomische Einheit, also Abstand Sonne <-> Erde)
eExzentrizität e: Dieser Wert beschreibt die Form der Bahn. Ist er e >0 und e < 1, dann handelt es sich um eine elliptische Bahn, ist er e >= 1, dann handelt es sich um eine parabolische Bahn
pPeriheldurchgang, das ist ein Zeitpunkt und gibt an, wann der Komet seinen geringsten Abstand zur Sonne hat.

Für bekannte Kometen sind diese Parameter von dem „Minor Planet Center“ der IAU (International Astronomical Union) bereitgestellt [https://www.minorplanetcenter.net/].

C/2017 K2 (PANSTARRS)

ParameterWert
i87.56110°
Ω88.23540°
ω236.19680°
q1.7969410 AE
e1.0007800
T2022 12 19.6836

Der Komet C/2017 K2 ist in sofern etwas besonderes, als dass er schon, bevor er die Saturnbahn erreicht hatte, aktiv wurde und somit entdeckt werden konnte. Bis jetzt wurde kein anderer Komet so weit von der Sonnet entfernt entdeckt! Viele Kometen werden erst entdeckt, wenn sie ungefähr die Entfernung von der Sonne haben wie der Jupiter. C/2017 K2 nähert sich seit seiner Entdeckung am 21. Mai 2017 der Sonne an und hat das Potential, bis zu 6mag hell zu werden, dann wäre er mit dem bloßen Auge grade sichtbar. Aber die Vorhersagen, wie hell ein Komet wird, sind sehr ungenau.

Die Exzentrizität e mit 1.00078 beschreibt diesen Kometen als einmalige Erscheinung, er wird nach dem Periheldurchgang im Dezember 2022 immer schwächer werden und dann für immer verschwinden.

C/2017 K2, 13.06.2022, C9.25 f/6.3

Meine erste Beobachtung dieses Kometen war am 13.06.2022, der Komet war als nebeliger Fleck im C9.25 f/6.3 im Sternbild Schlangenträger sichtbar. Eine Vermessung des eingeordneten Bildes ergab eine Position von RA 18:00:32.195, DEC +07:02:02.62 um 20:59:08.170 UTC.

Am 23.06.2022 befand sich der Komet noch immer im Sternbild des Schlangenträgers, war also weiterhin in einer idealen Beobachtungsposition, jedoch war er auf RA 17:40:54.127, DEC +04:17:17.55 um 21:24:20.750 UTC. Man kann allerdings deutlich erkennen, dass der Komet anfängt, einen Schweif auszubilden.

C/2017 K2 am 23.06.2022, C9.25 f/6.3
DatumRADECUhrzeit (UTC)
13.06.20228:00:32.195+07:02:02.6220:59:08.170
23.06.20227:40:54.127+04:17:17.55 21:24:20.750
Am 25.06.2022 ist mit dem C9.25 in f/10-Konfiguration die beginnende Schweifbildung schon deutlich zu sehen. Dieses Bild ist
600 sec. belichtet, aufgrund der streifenförmigen Sterne ist eine Einordnung und somit Positionsbestimmung mit diesem Bild nicht möglich.

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