Welteninseln

Im Frühling steht ein besonders markantes Sternbild hoch am Himmel, der Große Bär oder der Große Wagen, astronomisch kurz UMa. Dieses Sternbild deutet in eine Richtung, in der mit die schönsten Galaxien beobachtet werden können. Die Galaxie M81 und die kleinere M82 sind gravitativ aneinander gebunden und umkreisen sich langsam. Vor ca. 500 Millionen Jahren war M82 so dicht an M81, dass es sie stark verformt hat und es durch die Störung zu massiven Sternentstehungen gekommen ist, die noch anhalten.

Ebenfalls in diesem schönen Sternbild findet man die eindrucksvolle Galaxie M101, im Nachbarsternbild, Jagdhunde, CVn, ganz in der Nähe, M51.

M81, oder Bodes Galaxie liegt ungefähr 12 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und präsentiert sich in einer schönen Draufsicht. Diese Welteninsel scheint geringfügig kleiner als unser Milchstrasse zu sein. In den Spiralarmen um das helle Zentrum (oder Bulge) sieht man in dunklem Rot Wasserstoffnebel, leicht bläulich leuchten Sternentstehungsgebiete in den äußeren Rändern der Arme auf.

Bei Bildern von Galaxien sind die einzeln erkennbaren Sterne eigentlich immer Vordergrundssterne unserer Milchstrasse, einzelne Sterne in einer Galaxie sind meist erst zu erkennen, wenn sie in eine Supernova übergehen. M81 erscheint am Himmel ungefähr mit der Größe des Vollmondes, ca. 0,5°. Mit einer Helligkeit von 7.0mag ist M81 leicht in einem Feldstecher als Nebelfleck zu erkennen.

M81 und M82 sind die größten Vertreter in einer Gruppe von Galaxien, die tatsächlich einer der nächsten Nachbarn unserer lokalen Gruppe, bestehend aus der Milchstrasse, dem Andromedanebel und der Dreiecksgalaxie, ist. Sie wurde am 1774 von Johan Elert Bode entdeckt, woher der Name „Bodes Galaxie“ herrührt.

M81 ist auf der Position RA 09h 55m 33,2s, DEC +69° 03′ 55″ zu finden.

Das Bild ist am 24.04.2021 mit meinem C9.25, f/10.0 und der ASI1600 aufgenommen worden. Montiert war das Teleskop auf der AZ-EQ6. Es ist ein RGB-Bild, zusammengestzt aus 600 Bildern zu je 10 sec. Belichtung. Nachgeführt mit dem 300mm Teleobjektiv und der ASI120MM-S.

[M81 fullsize]

M82 ist eine sogenannten „Starburstgalaxie“, die feinen Filamente im roten Innenbereich sind Gasströme, die durch Supernova-Ereignisse aufgrund der enormen Entstehungsrate von Sternen verursacht werden, welche senkrecht aus der Ebene der Galaxie hervor strömen. Diese Gasströme gehen weit in den Raum hinaus, sind auf dem Bild aber nicht mehr erkennbar. Die enorme Sternentstehungsrate wurde vermutlich durch einen sehr nahen „Vorbeiflug“ an der großen Schwestergalaxie M81 vor ca. 500 Millionen Jahren verursacht. Wie M81 wurde auch diese Galaxie 1774 durch Johan Elert Bode entdeckt. Visuell hat diese Galaxie eine Helligkeit von 8,6mag, ist mit dem bloßen Auge auch unter besten Bedingungen nicht mehr sichtbar.

Aufgesucht werden kann diese Galaxie auf RA 09h 55m 52,7s, DEC +69° 40′ 46″.

Das Bild ist am 05.05.2021 mit meinem C9.25 f/10.0 und der ASI1600 aus mehreren Bildern mit 60 – 180 Sekunden Belichtung entstanden. Montierung war die AZ-EQ6. Bei diesem Bild ist der Rot-Kanal aus Bildern mit einem breitbandigen Rotfilter und einem schmalbandigen H-alpha-Filter zusammengesetzt. Deshalb sieht man auf diesem Bild einen sehr ausgeprägten roten Kern mit den feinen Filamentstrukturen.

[M82 mit f/6.3] [M82 mit f/10.0]

M51, im Sternbild der Jagdhunde (CVn) gelegen, ganz in der Nähe zum Großen Bären, ist eine der eindrucksvollsten Galaxien am Himmel. M51 bezeichnet eigentlich nur die große Spiralgalaxie, die kleine, irreguläre Galaxie, mit der M51 auf eindrucksvolle Art und Weise wechselwirkt, trägt den Namen NGC5195. M51, oder auch NGC5194, hat durch die Gezeitenwirkung mit NGC5195 eine außergewöhnlich hohe Sternentstehungsrate.
Viele der neu entstandenen Sterne sind sehr massereich und damit ist ihnen nur ein vergleichsweise kurzen Leben vergönnt. In M51 sind daher in den letzten 17 Jahren gleich drei Supernovae beobachtbar gewesen. In der Milchstrasse rechnet man mit ca. einer Supernovae pro 50 Jahre. Die letzte bekannte Supernovae wurde 1680 in dem Sternbild Cassiopeia beobachtet, es sind also einige Überfällig.
Durch die Wechselwirkung der beiden Galaxien ergießen sich Gezeitenströme aus Sternen in den Raum. Viele dieser Sterne werden der bindenden Wirkung der Galaxie entkommen und ein einsames Dasein im leeren Raum fristen. Die Gezeitenströme sind als leichte Nebelschwaden um die kleine Galaxie herum sichtbar.
Die Entfernung dieser schönen Galaxie von der Milchstraße schätzt man auf ca. 25 Millionen Lichtjahre, doch ist die Messunsicherheit recht groß. Mit einer Helligkeit von 8.4m am Himmel bleibt sie dem bloßen Auge verborgen.

Die Koordinaten: RA 13h 29m 52,7s, DEC +47° 11′ 43″.

Das Bild ist mit meinem C9.25 und der ASI1600 aufgenommen. Es besteht nur aus drei Bildern, R, G und B. Jedes Bild wurde 20 min. belichtet, eine Stunde für das ganze Bild. Nachgeführt wurde mit einem OAG.

[M51]

Eine wunderbare Sicht direkt auf die Spiralstruktur erlaubt M101, ebenfalls in UMa zu finden. Diese Galaxie liegt in einem Gebiet, in dem sie von keiner anderen größeren Galaxie gestört wird. Daher gibt es in ihr auch keine auffallend hohen Sternentstehungsraten, keine spannenden Gezeitenströme. Sie liegt einfach wunderschön da und man kann die ungestörte Spiralstruktur betrachten. Allerdings wirkt diese Galaxie auf einige kleine Begleitgalaxien stark ein und verzerrt diese. Besonders Auffallend ist dies an NGC5474 zu sehen:

NGC5474, eine Zwerggalaxie von M101. Mit 10.6m ist sie schon recht lichtschwach.

Sie wird von M101 stark verzerrt. Die große Schwestergalaxie scheint den Kern regelrecht herauszuziehen. M101 liegt in dem Bild rechts, leicht nach unten verschoben.

NGC5477 hingegen ist eine irreguläre Zwerggalaxie. Sie ist mit einer Helligkeit von 13.7m schon nahe an der Leistungsgrenze meines Teleskops. Unten im Bild sind die Ausläufer von M101 zu sehen:

NGC5477 oder UGC9018 ist mit 13.7m sehr lichtschwach. Weil kein geeigneter Stern für den OAG verfügbar war, ist dieses Bild mit der 300mm Linse nachgeführt.

M101 wird auf ca. 16 Millionen Lichtjahren Entfernung geschätzt und damit auf ein Durchmesser von ca. 170000 Lichtjahren.

Die Koordinaten: RA 14h 03m 12,5s, DEC +54° 20′ 56″.

Das Bild habe ich mit meinem C9.25 und der ASI1600 aufgenommen. Drei Bilder, RGB, jedes mit 600 sec. belichtet. Nachgeführt wurde mit einem OAG. 600 sec. sind für diese Galaxie zu wenig, das Bild muss mit längerer Belichtung wiederholt werden. Die Zwerggalaxie NGC5474 ist mit der gleichen Ausrüstung und gleicher Belichtung aufgenommen.

[M101]

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